Unser kleines Protest-Projekt ist jetzt seit fast zwei Monaten öffentlich online. Zeit, einmal zurückzuspulen – und zu erzählen, wie aus einer spontanen Idee ein ziemlich ernsthaftes Unterfangen wurde.
Am Anfang war… eine Domain
Manchmal – vielleicht sogar meistens – beginnen Dinge unspektakulär. In diesem Fall: Anfang 2019, irgendwo zwischen ein paar Tabs und einem spontanen Einfall. Was ist eigentlich auf „fckaf.de“? Nichts, ist noch frei. Ein kurzer Moment Unglauben, ein paar Klicks, gekauft. Und dann Sekunden später die unvermeidliche Frage: „Okay… und was machen wir jetzt damit?“
Links kürzen mit Haltung
Nach einigem Hin und Her kristallisierte sich eine Idee heraus, die gleichzeitig simpel und ziemlich nützlich war:
Ein URL-Shortener, mit dem man problematische Inhalte verlinken kann, ohne ihnen Reichweite zu schenken. Mit vorgeschaltetem Hinweis und klarer Botschaft. Der „fckaf.de“-URL-Shortener war geboren.
Ein paar IT-Nerds* für die Umsetzung waren schnell gefunden und die Seite schnell gebaut. Und weil alle Beteiligten damals ohnehin bei der Partei Die PARTEI aktiv waren, waren auch die Verbreitungswege… sagen wir: angenehm kurz.
Was dann passierte, überraschte aber auch uns: Der Shortener ging durch die Decke. Presseberichte, Social-Media-Reichweite – und inzwischen rund 180.000 gekürzte Links. Nicht schlecht für eine spontane Domain-Idee. Den URL-Shortener gibt’s auch immer noch auf fckaf.de.
Eine wiederkehrende Frage
Mit der Zeit tauchte aus verschiedenen Richtungen immer wieder die gleiche Frage auf: „Kann ich eigentlich auch eine @fckaf.de-Mailadresse bekommen?“ Lange blieb das eine dieser Ideen, über die man kurz spricht – und sie dann wieder vergisst. Bis Frühjahr 2025. Da blieb sie. Vielleicht, weil wir über die Jahre selbst gemerkt haben, wie gut unsere eigenen Adressen ankamen – je nach Publikum sehr unterschiedlich „gut“. 😉 Vielleicht auch, weil das Timing passte. Jedenfalls wurde aus „man könnte ja mal“ plötzlich: „Wenn, dann richtig – und für alle!“
Vom Gedanken zum Plan
Schnell wurde klar: Wenn wir das ernsthaft für viele Leute anbieten wollen, brauchen wir mehr als ein Standard-Hosting. Zwar gibt es günstige Hosting-Angebote, die offiziell „unendlich“ viele E-Mail-Adressen zulassen. Die enthalten jedoch immer Klauseln in den AGB, die die Weitergabe der Adressen an beliebige Andere in größerer Menge untersagen. Zudem hätten wir keine technische Handhabe darüber – wenn ein Postfach spamt, werden im Zweifel alle Adressen gesperrt.
Wir überlegten also, wie wir das auf eigene Beine stellen können. Schnell kam raus, ein eigenes System würde nicht nur eine Menge Arbeit machen, sondern auch eine Stange Geld kosten, sowohl einmalig als auch durch den laufenden Betrieb.
Die zentrale Frage lautete also nicht mehr ob, sondern: Wie viele Leute wollen das überhaupt?
1.200 Gründe, weiterzumachen
Also bauten wir kurzerhand ein Voranmelde-Formular auf mail.fckaf.de, für beide Seiten unverbindlich. Da wir Werbefinanzierung von vorn herein ablehnten, war ein Euro pro Monat für ein Mail-Postfach das, was wir als notwendig berechnet hatten und kommunizierten das auch von Beginn an.
Innerhalb von fünf Wochen meldeten sich rund 1.200 Interessierte, möglich gemacht durch ein paar reichweitenstarke, gegen rechts gerichtete Seiten und Profile, die unser Projekt teilten.
Das war der Moment, in dem klar wurde: Das ist keine Spielerei, das ist eine (weitere) Form digitalen Protests, die viele interessiert. Anfang August 2025 fiel die Entscheidung: Wir ziehen das durch.
Es geht los
Ab hier wurde es… weniger romantisch. Rechtliche Vorgaben? Kompliziert. Rechtsform? Noch komplizierter. Verein oder Firma? Musste es wirklich eine Kapitalgesellschaft sein? War das nicht bisschen viel Kommerz? Ich erspare euch die ganzen juristischen und steuerlichen Details, doch zum Schluss stand fest, dass eine UG aus gleich mehreren Gründen das vorteilhafteste war – auch für die Nutzer*innen. Der ursprünglich geplante Name „Elektropost International Company“ (EPIC) wurde übrigens abgelehnt, weil „international“ angeblich irreführend sei. Fair enough – schließlich verschicken wir E-Mails ja bekanntlich nur regional. 😉
Also wurde daraus Buntmail UG. Inzwischen sind wir froh um einen kurzen Namen, so oft wie wir ihn schon schreiben mussten.
Es geht richtig los
Sobald die Rahmenbedingungen geklärt und die Formalitäten erledigt waren, ging es endlich ans Eingemachte: Server aufsetzen, Systeme bauen, Prozesse definieren.
Zu Beginn machten wir große Fortschritte. Innerhalb weniger Wochen standen Mailserver, Webserver, das Shop-System mit all seinen vielen Unterkomponenten (von A wie Abo bis Z wie Zahlungsarten), Backups, Sicherheitsmechanismen. Das selbstgesteckte Ziel „Ende Oktober 2025 online gehen“ wirkte realistisch.
Es geht nicht los
Sobald es aber darum ging, alle Komponenten sauber miteinander sprechen zu lassen, wurde aus Fortschritt Stillstand und aus Stillstand bald Frust. Wochenlang. Bugs, Inkonsistenzen, Sicherheitsfragen – und Lösungen, die sich beim zweiten Hinsehen als neue Probleme entpuppten. Auch KI half nur begrenzt. Oder sagen wir: auf eine Weise, die eher den Puls als die Systemkonsistenz erhöhte. Erst als ein echter Mailsystem-Experte* dazukam, ging es wieder vorwärts. Der Preis: Zeitverzug bis Februar 2026 und deutlich höhere Kosten als geplant.
Endlich am Start
Am 27.2. war es dann endlich soweit: Seit ein paar Tagen war das Projekt stabil öffentlich zugänglich – Und nun konnten wir endlich der Welt Bescheid sagen. Wir begannen damit, allen 1.200 Leuten, die eine Mailadresse vorangemeldet hatten – und teilweise schon (zu recht) gequengelt, wann es denn endlich los geht – per E-Mail einen Link zu schicken, mit dem sie ihre Wunsch-Mailadresse abholen konnten. Ca. 350 machten das auch – keine schlechte Quote, auch wenn wir uns noch etwas mehr gewünscht hätten. Mit etwas Social-Media-Anschub wuchs die Zahl der Nutzer*innen in den ersten Wochen auf über 700 und wächst seitdem langsam, aber kontinuierlich weiter. Ein solider Start.
Was wir gelernt haben (bisher)
- Selbst „einfache“ Projekte werden schnell komplex – erst recht durch die deutsche Bürokratie.
- Guten Support zu bieten macht überraschend viel Spaß.
- Sich intensiv mit der FCKAFD und ihrem Umfeld zu beschäftigen… eher nicht (nicht, dass wir das nicht schon zuvor gemacht hätten, nur nicht SO intensiv).
- Ein Euro im Monat ist für manche eine „Hürde“ – und für manche eine echte Hürde.
- Auch Professor*innen und Politiker*innen außerhalb des linksgrün-versifften Spektrums nutzen mitunter gern eine @fckaf.de-Adresse.
Und weiter?
Hinter uns liegen anstrengende, nervenaufreibende, aber letztlich auch ziemlich gute Wochen. Im zweiten Teil von „Statt ‚Über uns’“, der hoffentlich bald folgt, reden wir dann über Meilensteine und wagen einen Blick in die Zukunft. Denn eigentlich haben wir noch viel (mehr) vor – wenn genügend Leute mitmachen!
*natürlich würden wir gern die Leute beim Namen nennen und uns bedanken. Zu ihrem Schutz tun wir es nicht.

